Was dein Welpe wirklich braucht

Die Welpenzeit - in der Vorstellung eine unbeschwerte, fröhliche Zeit, in der man ein flauschiges kleines Wesen streichelt und mit ihm spielt.

Welpen sind unendlich süß und liebenswert, verspielt, zart.

In der Realität besteht die Welpenzeit aber auch aus angenagten Schuhen, Löchern in der Kleidung, spitzen Welpenzähnen in Menschenhänden, Trubel, schlaflosen Nächten, Unsicherheit.

In Welpenratgebern klingt das Training mit dem Welpen super einfach und logisch. Zuhause will das irgendwie nicht funktionieren.

 

Was ist das allerwichtigste Lernziel mit einem Welpen? Sitz? Platz? Bleib? Ein Neinwort? Leinenführigkeit?

 

Das Allerwichtigste für deinen Welpen ist das Lernen von Ruhe. 20-22 Stunden sollte dein Welpe am Tag schlafen oder dösen.

Bevor Schäfer ihre Hunde an der Herde ausbilden, lernen diese Hunde erst einmal, sich zu entspannen.

Für Hütehunde, Schäferhunde, usw. ist das elementar wichtig, damit sie in ihren Arbeitsphasen hochkonzentriert sein können und nicht zu Reiz-Junkies werden.

Davon können wir viel lernen.

 

Viele Welpen finden von selbst nicht genug in die Ruhe. Damit sie nicht überdreht und gereizt werden, brauchen sie unsere Unterstützung. 

Tatsächlich fällt es vielen Hundehaltern äußerst schwer, den Welpen nicht andauernd zu beachten und ihn in Ruhe schlafen zu lassen.

Wenn du dich darin wiederfindest, setz dich nicht unter Druck. Lenk dich am Besten ab, damit du deinen Welpen nicht zu viel beobachtest. Vielleicht tut es dir auch gut, dich gemeinsam mit deinem Welpen auszuruhen.

Ausgeschlafene Hunde sind wesentlich konzentrierter und ausgeglichener. 

Als Maßstab, wann du genug Ruhe in das Leben deines Welpen gebracht hast, können dir die "verrückten 5 Minuten" dienen.

Solange dein Welpe am Tag oder abends einen Rappel bekommt und sich plötzlich wie verrückt benimmt, ist euer Tagesprogramm zu viel.

Im Welpengehirn knallt sozusagen eine Sicherung durch, weil all die Eindrücke nicht mehr verarbeitet werden können.

 

Dein Welpe döst und schläft genug. Sind damit alle Probleme gelöst?

 

Nein, das Leben mit deinem Welpen wird dadurch nicht automatisch zum Spaziergang.

Du hast mit der Ruhe die Basis für einen gesunden und geistig klaren Hund geschaffen. Das ist unendlich viel wert!
Aber auch ausgeruhte Welpen fallen dir nicht ununterbrochen mit Herzen in den Augen in den Arm und übergeben dir die Verantwortung für ihr Leben.

 

Die Welpen- und auch Junghundezeit dient dem Hund dazu, herauszufinden, wie seine Welt strukturiert ist.

Dein Welpe wird also immer wieder austesten, ob deine Grenzen ernst gemeint sind und wo überhaupt Grenzen gesteckt werden.

Nicht, weil er dich dominieren möchte oder aggressiv veranlagt ist! 
Auch nicht, weil du ungeeignet bist, deinen Hund zu führen. 

Es ist für jeden Hund überlebenswichtig, herauszufinden, ob sein Mensch cool genug ist, ihn durchs Leben zu führen. Wie die Regeln des Zusammenlebens sind. Ganz einfach, "woran er ist" - in jeder Situation und in eurer Interaktion.

 

Du darfst Spaß an diesen Diskussion haben!

Bleib ruhig, bleib locker, bleib dran.

Du hast den längeren Atem, du bist dir sicher in dem was du tust und du bist ein souveräner Anker für deinen Hund.

Steh jeden Tag auf mit dem Gefühl von "Ja, meine Grenzen gelten auch heute. Ja, auch heute bin ich dabei fokussiert und in meiner Präsenz. Ich liebe meinen Hund und er liebt mich. Gemeinsam erarbeiten wir uns den Rahmen für unser Zusammenleben."

 

Genieß die Welpenzeit und lass dich nicht verunsichern. Dein Bauchgefühl kennt den Weg.

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Kommentare: 1
  • #1

    Thomas (Samstag, 27 Februar 2021 09:09)

    Ein toller Artikel,eine wundervolle Sicht der Dinge und so wahr!!!