Trainierst du noch oder lebst du schon?

Hund aufs Herz - ich bin wirklich faul, was das Einüben von Kommandos mit meinen Hunden anbelangt.

 

Augen auf bei der Berufswahl, denkst du dir? Wie kann ein Hundetrainer zu faul sein, mit seinen eigenen Hunden zu üben? Dreht sie jetzt durch?

 

Ich bin tatsächlich nicht der Typ Hundehalter, der sich dazu motivieren kann, kleinschrittig etwas aufzubauen.

Brav Kommandos einüben und sie dann generalisieren (sie also in verschiedenen Umgebungen üben, die Länge variieren, usw.)?

In dieser Zeit kann ich so schön mit meinen Hunden auf der Couch entspannen und fleißig Bindungshormone abfeuern. Oder mit ihnen Mäuse suchen (ich bin übrigens die einzig Erfolgreiche bei diesem Unterfangen). 

Wie schade ist es, wenn Menschen und ihre Hunde zahllose schöne Momente auf Spaziergängen verpassen, weil sie mit trainieren beschäftigt sind?!

 

Für mich sind Lernen und Leben untrennbar miteinander verbunden. Vielleicht es sogar das Gleiche?

 

Vieles, was man mit dem Hund erreichen möchte, kann man ganz einfach in den Alltag einbauen.

Meine Hündin braucht beispielsweise eine häufige Erdung, damit sie auf Spaziergängen nicht kopflos und schnell wird.

Ein Klassiker wäre es, ein Entspannungswort wie "easy" oder einen Entspannungsduft zu konditionieren, damit sie insgesamt entspannter ist.

Für viele bestimmt eine gute Möglichkeit, für mich ziemlich umständlich. 

Ich kann meine Hündin aber auch ganz simpel zu meiner Begleiterin bei der Gartenarbeit machen. 

Wer heute zufällig durch meinen Wohnort gefahren ist, konnte mich dabei beobachten, wie ich im Schneeregen in unserem Blumenbeet an der Straße buddelte und dabei meine Hündin im Regenmantel neben mir stand.

Sie fand es unglaublich großartig. So viel Zeit und Ruhe, um die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen. So viel Raum, um sich zu erden und die Welt im eigenen Tempo wahrzunehmen.

So "trainieren" wir 

  • Impulskontrolle, denn es werden keine Vögel oder Katzen gejagt
  • an einer Stelle verweilen, wenn ich das entscheide
  • Reize verarbeiten
  • auch draußen ist Ruhe und Entspannung angesagt
  • usw.,

ohne dass ich irgendetwas dafür tue. Außer natürlich mit einem verwilderten Blumenbeet zu diskutieren.

 

 

Konditionieren, ohne langwierig zu trainieren

Wusstest du, dass du deinen Hund auch ohne langwierige Übungssituationen auf Signalwörter konditionieren kannst?

Ich nenne das die "Nebenbei-Konditionierung".

Bestimmt taucht dieser Begriff irgendwann in allen Lehrbüchern auf, du wirst schon sehen!

 

Ein Beispiel.

Du möchtest, dass sich dein Hund auf eurem Spaziergang auf Kommando entspannt.
Er soll sich absetzen oder ablegen und auf einer Stelle bleiben.

Nun kannst du einfach Pausen in eure Spaziergänge einbauen, was ich dir ohnehin sehr ans Herz legen würde.

Immer, wenn du eine Pause machst, sagst du das Wort "Pause" und setzt dich selber hin. Deinen Hund hältst du einfach sehr kurz an der Leine. In den folgenden Sekunden oder Minuten passiert rein gar nichts, du betrachtest einfach entspannt die Wolken im Himmel oder die Käfer in der Wiese. 

Du wirst merken, dass dein Hund das Wort "Pause" ohne Training nach und nach mit einem ruhigen Verweilen an einer Stelle verknüpft. 
Sagst du nun Pause, befördert ihn sein System automatisch in den Pausenmodus. 

 

Noch ein Beispiel. Du willst es ja wirklich wissen.

Eigentlich möchtest du nicht, dass dein Hund bettelt, aber manchmal möchtest du auch Essen mit ihm teilen. 

Er hat sich angewöhnt, dich penetrant anzustarren und vielleicht bilden sich schon Sabberpfützen vor ihm auf dem Boden.

Sobald du dir sicher bist, dass du deinem Hund nichts mehr geben wirst, machst du ab heute ein Handzeichen und schaust ihn dabei kurz an. Du hältst zum Beispiel die Hand mit gespreizten Fingern hoch.

Danach beachtest du ihn nicht mehr und er bekommt auch definitiv keinen Snack mehr.

Das ist elementar wichtig! Das Handzeichen bedeutet zu 100%, dass kein Essen mehr im Hund landet.

Ganz automatisch wird dein Hund lernen "Mist, bei gespreizten Fingern macht betteln keinen Sinn. Die Anstrengung lohnt sich nicht für mich." 

 

Das Leben kann so einfach sein

Natürlich bedarf es im Zusammenleben mit Hunden auch Übungssituationen, da bilde ich keine wundersame Ausnahme.

Der Hund sollte lernen, auf ein Zeichen des Halters hin auf einer Stelle zu bleiben.

Er sollte zurückkommen, wenn man ihn ruft.

Usw.

Doch die meisten Dinge lassen sich ganz nebenbei klären, während man mit leben beschäftigt ist.

Nebenbei-Konditionierung, du weißt schon. ;)

 

Heutzutage sind wir alle ohnehin schon viel zu sehr verkopft.

Im Zusammensein mit unseren Hunden dürfen wir unseren Verstand auch mal entspannen lassen und einfach leben.

 

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