Zeit für ein ernstes Wort

Meistens bin ich in sehr fröhlichen, leichten Schwingungen unterwegs. ;) Heute geht es mir aber mal um ein sehr ernstes Thema.

 

Ich erlebe es momentan immer wieder, dass Hundehalter von Trainern völlig entmündigt werden und sich zwingen, bei rebellierendem Bauchgefühl Methoden umzusetzen, weil es angeblich so und nicht anders sein muss.

 

Mein Appell: BITTE hört auf, euch zu verbiegen, weil ein Trainer das sagt. Stellt viel höhere Ansprüche an Hundetrainer - das sind Experten, die sich- so sollte es sein - jahrelang für euch haben ausbilden lassen.

Das bedeutet auch, dass sie mehrere gute Ansätze im Umgang mit Hunden erforscht und einen Koffer voller Methoden haben.

Es ist ihre Verantwortung, für euch tiefer in diesem Koffer zu kramen, wenn ihr erster Ansatz nicht stimmig für euch ist.

Empathie, Flexibilität und Spontaneität sind Dinge, die ich von einem guten Hundetrainer erwarte.

 

Eure Hunde merken genau, wenn ihr gegen euer Bauchgefühl handelt. Sie werden dann immer wieder anfragen, ob ihr das wirklich ernst meint. Sie spüren nämlich, dass es eine Dysbalance in euch gibt.

 

Es existiert eine große Unart in meiner Berufsgruppe. Wenn ein Training nicht funktioniert, ist oft automatisch der Hundehalter Schuld.

Sätze wie "Das Problem hängt immer am anderen Ende der Leine" sind mittlerweile abgedroschene Phrasen, mit denen man sich als Trainer entspannt zurücklehnen kann und sich nicht selbst hinterfragen muss.

Ihr seid NICHT immer Schuld, weil ihr nicht konsequent genug seid, nicht hart genug seid, nicht den komplizierten Trainingsplan von A bis Z durcharbeitet.

 

Traut euch, Aussagen von Hundetrainern zu hinterfragen. Wenn ihre Aussagen  auf Fachwissen und wirklicher Erfahrung beruhen, können sie dem ganz locker standhalten und euch vielleicht noch einmal besser erklären, worum es ihnen gerade eigentlich geht.

 

DAS richtig und falsch gibt es einfach nicht. Das wäre ja so einfach, dass alle Trainer dasselbe sagen müssten und man nach wenigen Trainingsstunden grundsätzlich den Traumzustand erreicht.

Aber Leute, ein Problem hat so viele Facetten und es kann so viel dahinterstecken.

Da geht es darum, von vielen verschiedenen Seiten drauf zu schauen, dahinter zu schauen, den Hund und den Mensch als Individuum wahrzunehmen und abzuschätzen, was beide aktuell leisten können.

 

IHR solltet wissen, wie ihr euch euer Leben mit eurem Hund vorstellt. Der Trainer ist eine Fachkraft, die dazu ausgebildet ist, eine Palette an Möglichkeiten auszupacken, wie ihr dieses Ziel erreichen könnt.

Natürlich gibt es hier Grundsätze zu beachten (z.B. keine Gewalt).

Aber in einem ethischen Rahmen gibt es stets verschiedene Ansätze und es gilt, den Ansatz zu finden, bei dem der Mensch innerlich aufblüht und sich leicht fühlt. 

Höchstwahrscheinlich muss sich der Hundehalter bei jedem Ansatz kritisch reflektieren und aus seiner Komfortzone heraus. So findet Weiterentwicklung statt.

Aber das kann durchaus funktionieren, ohne dass man eine Enge in sich spürt und etwas umsetzt, weil der Trainer das gesagt hat.

Und weil er am besten noch ein Horrorszenario gemalt hat, wie alles eskalieren wird, wenn man das nicht genau so befolgt.

 

iHR lebt euer Leben - Hundetrainer sind Unterstützer, Ratgeber, Wegweiser, Seelsorger, Freunde, aus der Komfortzone Locker,.... aber sie sollten keine Diktatoren und keine Besserwisser sein.

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