Probiers doch einfach aus!

Wir Menschen folgen schon lange dem Trend, die Dinge zu zerdenken, anstatt einfach zu sein und zu handeln, wie es gerade aus uns herauskommt.

Die Kopflastigkeit beobachte ich auch immer mehr in Bezug auf unsere Hundehaltung.

Je mehr Bücher man gelesen hat, je mehr Trainer man konsultiert hat - kurz: je mehr man weiß - desto verwirrter ist man am Ende.

Was genau ist denn nun richtig? 
Führe ich die Methode richtig aus? Ist sie die Richtige?

 

Zusätzlich werden Hunde immer weniger neutral wahrgenommen, da man sich heutzutage oft in einer "um...zu" Haltung befindet. Man fühlt nicht hin, wie es dem Hund und einem selbst gerade geht, sondern man führt etwas aus, um ein bestimmtes vordefiniertes Ziel zu erreichen.

 

Ich erlebe Hundehalter, die ein regelrechtes Trainerhopping betreiben. 

Wenn etwas nicht sofort klappt, rufen sie den nächsten Trainer an. 

Die Gründe dafür sind vielfältig und teilweise sehr tiefgreifend emotional, weshalb ich sie an dieser Stelle gar nicht analysieren möchte.

Das Problem ist: Frag 10 Trainer und du bekommst 10 Antworten.

Weil es DIE Wahrheit und DAS richtig einfach nicht gibt.

Es gibt Erfahrungswerte und es gibt Herangehensweisen, die bei vielen Menschen und Hunden gut funktionieren. Aber nie bei allen!

 

Das größte Abenteuer im Zusammenleben mit einem Hund ist es wohl, sich selbst dabei zu finden.

Eine Pionierin unter den Hundetrainern, Nanette Will, nennt die Frage hinter diesem Prozess "wer bin ich an meinem Hund?".

Der Witz ist - du kannst sein wer du willst. 

 

Oft scheint Wissen eher zu schaden als zu nutzen, denn man verschwindet zunehmend in seinem Kopf und handelt nicht mehr unbedarft aus dem Bauch heraus. Wissenschaft ist unglaublich wertvoll und wichtig, aber es besteht gleichzeitig die Gefahr, dass man sich selbst in den neuesten Fakten verliert.

 

Ich glaube, dass unsere Hunde überhaupt kein Problem damit haben, wenn wir mal ein wenig daneben sind.

Das Problem kommt dann, wenn wir uns selbst dabei verunsichern, direkt umschwenken, überlegen, zweifeln, zögern.

Das ist nicht greifbar für Hunde.

Zusätzlich spüren Hunde unsere Anspannung und unsere Sorgen genau und reagieren darauf.

 

Ich sehe mein Wirken als "Hundetrainerin" hauptsächlich darin, den Menschen wieder ein Gefühl für ihren Hund zu geben.

Raus aus der "um...zu" Welt, rein ins offene Herz!

Dein Hund verzeiht dir locker, wenn du mal ein wenig zu grob bist oder eine Situation total verpennt hast oder oder...

Man kann sich auch bei Hunden entschuldigen! :)

Was du dir aber am Ende nicht verzeihen wirst, ist die verlorene Zeit, in der du das Leben mit deinem Hund hättest genießen können statt darüber nachzudenken und es gedanklich zu zerlegen.

 

 

Wenn mich Hundehalter völlig verunsichert fragen, ob der Rat von einem Trainer wohl richtig ist, oder ob wir gerade in der Zusammenarbeit wirklich den richtigen Weg mit dem Hund eingeschlagen haben, dann antworte ich gern: Probier es drei Wochen lang aus.

Wenn du dich fragst, ob dein Hund vielleicht überfordert ist - mach drei Wochen lang weniger.

Wenn du dich fragst, ob er unterfordert ist - mach drei Wochen lang mehr.

Wenn du dich fragst, ob dein Hund vielleicht doch mehr Hundekontakte bräuchte - treffe für drei Wochen mehr Hunde mit deinem Hund.

Usw.

Zieh es dann aber bitte wirklich drei Wochen durch, sofern es nicht katastrophal läuft.

Und dann schau ihn dir an. Nimm wahr, wie es ihm geht und wie er sich entwickelt.

Wirkt er gestresster oder zufriedener? Bist DU gestresster oder zufriedener?

 

Warum drei Wochen?

Weil jeder Prozess Zeit braucht, um Wirkung zu zeigen.

Es ist häufig so, dass Ratschläge am Anfang überhaupt keine Wirkung haben und das Ergebnis wird erst nach ein paar Wochen sichtbar.

Oder aber, Ratschläge funktionieren fantastisch - für ein paar Tage. Danach ist alles wie vorher. Und genau dann heißt es dranbleiben und beobachten, ob es nur ein Überraschungseffekt war oder ob sich das Verhalten zwar nochmal verschlechtert, um dann aber wirklich dauerhaft transformiert zu werden.

Auch DU benötigst drei Wochen, um dich an etwas Neues zu gewöhnen. Damit dir ein neues Verhalten in Fleisch und Blut übergeht, braucht es sogar drei Monate.

 

Ich wünsche mir für die Hundewelt, dass die Menschen wieder mündiger werden und uns selbst am allermeisten vertrauen.

Wir dürfen wieder mehr wie Kinder werden, die einfach mal machen. Und dann wird es entweder super lustig oder es war eine richtig dumme Idee. Macht nichts, dann macht man es eben anders.

(Achtung, das gilt nicht für die Welpenzeit eines Hundes, da sollte man nicht unbedingt den größten Mist produzieren, denn hier formt sich das Gehirn entscheidend für das gesamte Hundeleben aus!)

 

Hunde wünschen sich eine Herz zu Herz Verbindung, keine Kopf zu Kopf Schaltung.

Dein Hund wird nicht dein bester Freund, weil du endlich die richtige Methode gefunden hast - sondern weil du ihn mit offenen Augen und offenem Herzen wahrnimmst und dich eurem Zusammensein losgelöst hingibst.

 

Übrigens... Wer ins kalte Wasser springt, taucht in ein Meer voller Möglichkeiten! :)

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